Darcy's Diary

von Amanda Grange


Klappentext Mellas Meinung

Darcy's Diary  - Buchcover

Zitat aus dem Klappentext:

Pride and Prejudice is the most popular romance of all time, and in this enjoyable retelling, Amanda Grange allows us to see the events of Jane Austen's famous novel from Mr Darcy's point of view.

Scenes only hinted at in the original are brought to life as Darcy writes of his horror at discovering his sister's plans to elope with George Wickham, his efforts to separate Charles Bingley from Miss Jane Bennet and his disgust at having to arrange a marriage between George Wickham and Miss Lydia Bennet.

But, most satisfying of all, he discloses his feelings for Elizabeth. Darcy's Diary records the full story of their courtship, from initial hostility to their eventual love, before revealing a tantalising glimpse of their early married life.

erstmals erschienen: August 2005
gebundene Ausgabe, Robert Hale, ISBN: 0709078609

Homepage der Autorin


Mellas Meinung

Wenn auch eine Nacherzählung von "Pride and Prejudice", hebt sich dieses Buch von anderen wie zum Beispiel "Darcy's Story", "The Confessions of Fitzwilliam Dracy" oder der Triologie "Fitzwilliam Darcy - Gentleman" in besonderer Weise ab. Grange wählte die intime Form eines Tagebuches. Doch wer auf leidenschaftlich, romantische Erklärungen hofft, wird hier enttäuscht werden.

Nun, ich kann mich nicht des Gefühls entbehren, dass Mr Darcy und das Schreiben eines Tagebuches etwas Ungewöhnliches an sich hat, doch die präzisen Formulierungen, ohne Ausschweifungen, geschweige denn Gefühlsduseleien befreundeten mich mit der Idee. Ein Nachteil der Wahl dieser Form scheint auch zunächst dafür verantwortlich, dass eingebaute Gespräche unpassend wirken, würde man diese doch nicht so genau nacherzählend niederschreiben. Allerdings geben jene Dialoge Einblicke in die Meinungen anderer Charaktere und lassen die Sichtweise Darcys nicht nachteilig eingeschränkt wirken. Zudem sind sie gewitzt, beinhalten vertraute Worte aus "Pride and Prejudice" und sind somit auflockernd.

Weder tiefsinnige Offenbarungen, noch verbissene Interpretationsversuche finden sich. Wunderbar einfach macht die Autorin deutlich wie selbstverständlich Darcy Elizabeths Verhalten oder das ihrer Schwester falsch deutet. Schreibt er, "She had set herself up as my adversary, and I felt an instinct to conquer her rise up inside me.", ist dies erst der Einstieg in Begegnungen mit der "high spirited" Elizabeth, welche belebend sind und ihn über so manches wundern lassen. Die Rationalität seiner Überlegungen weicht auch nicht im Angesicht von Zweisamkeit, des endlich gefundenen Glücks mit Elizabeth. Grange überrascht mit amüsanten Wortwechseln. Sie festigt Eigenschaften Darcys, wie Reserviertheit, Entschlossenheit, zeigt aber ebenso seine wachsende Neigung Humor zu zeigen und seine Zweifel. Sie führt Darcy als liebevollen, sich sorgenden Bruder ein, der auf zweihundert Seiten seinen Stolz, seine überzeugung seiner Überlegenheit genauso demonstriert, wie Klugheit, als auch seine Unwissenheit über eigene Fehler. Ich konnte seine Reaktion auf das Gefühl, angesehen zu werden als wäre der ein "pot of gold" und ebenso seine Verwirrung über Elizabeths willkommene Impertinenz und Freimütigkeit, durchaus nachvollziehen. Seine Zerrissenheit ist verständlich. Schreibt er nieder: "Talking to Elizabeth is like talking to no one else. It is not a commonplace activity, rather it is stimulating exercise for the mind.", muss der Leser dies nicht einfach so hinnehmen, denn genau dieses Gefühl geben auch die Dialoge wieder und ließen mich an den Begegnungen zwischen beiden erfreuen. Grange liefert keine romantischen Ausschweifungen, aber reserviertes Abwägen mit natürlicher, menschlicher Ratlosigkeit vermischt.

Grange beginnt mit Georgianas Reise mit Mrs Young nach Ramsgate und das Verlassen eines Mr Darcys mit seiner Mrs Darcy Longbournes in Richtung Derbyshire ist nicht das Ende. Als "a tentalizing glimpse on their early married life" würde ich das was folgt allerdings nicht nennen, da es alles vielmehr als eine nette kleine Idee wirkt, umzusetzen, was Austen lediglich andeutete. Auch scheinen Mrs Bennet und Lady Catherine Grange dann etwas aus den Händen zu gleiten und während die eine zu unbesonnen daherplappert, wächst die Impertinenz der anderen. Im allgemeinen ist die Romannähe beachtlich und des öfteren begegnen dem Leser Vertraute Eindrücke aus Verfilmungen. Aufgreifen von Colonel Fitzwilliams und Elizabeths Unterhaltung auf Rosings oder Collins' Heiratsabsichten sorgen als leider seltene Ausnahmen für Szenen außerhalb der Handlung "Pride and Prejudic"s. Die unzähligen bekannten Passagen scheinen eine Garantie für die Autorin den Leser an ihre Worte zu binden - dazu zu verführen, weiter zu lesen, obwohl nichts Unerwartetes oder gar Überraschendes auf der Lauer liegen zu scheint. Die Einträge ohne Dialog sind sogar recht eintönig, verraten nichts über den Mann hohen Standes und Bruder Fitzwilliam Darcy.

Der Weg ist nicht wirklich lang und scheint nicht zu holprig, bis zu Darcys Gedanken, "What did it matter if her (Elizabeths) mother was silly and vulgar? I did not want to marry Mrs Bennet." Es scheint, die Autorin verpasst hier und da Gelegenheiten zu nutzen innovativ zu sein. Glaubte ich spätestens mit der Abreise nach London mit neuartigen Ideen und Einblicken in Darcys Leben in "feinerer" Gesellschaft zu bekommen, wurde diesem Glauben nicht entgegenkommen. Tage oder Wochen außerhalb der Welt einer Elizabeth Bennet sind kurzgehalten. Der Ansatz Londons Gesellschaft in Kontrast zum Charakter einer Elizabeth Bennet zu zeigen ist da, wird jedoch durch Miss Farbham eher ins Lächerliche gezogen und verdient ohnehin nur einen einzigen Eintrag von Darcys Seite.

Bingley als "a man (who falls) in and out of love so easily", ist nicht minder gelungen als jeder andere Charakter. Anne de Bourgh überrascht zwar, doch ist Granges Interpretation von ihr weder unvorstellbar, noch unwillkommen. Caroline und Darcy selbst geben ein wunderbares Gespann ab und demonstrieren wie Gleichgültigkeit, Zustimmung aus Eigennutz heraus oder Verachtung, in einer Gesellschaft von Höflichkeitsfloskeln geleitet, zu Tage treten können. Lydia mag etwas extrem gleichgültig sein, jedoch ist nicht an all den Personendarstellungen anmaßend, frustrierend oder gar zu verabscheuen.

Dies ist ein Buch, welches ich nur einmal aus der Hand legte bevor ich es beendete. Dies soll aber nicht dafür sprechen, dass es fesselnd und spannend ist, ganz und gar nicht. Doch es ist eine leichte Lektüre. Es ist locker, unkompliziert und geradeaus. Amanda Grange geht einen direkten Weg ohne großartige Ausschweifungen - sie scheint sich bescheiden damit zufrieden zu geben, Austens Roman auf einfachste Weise in ein Tagebuch eines Mannes umzusetzen, der zurückhaltend ist, welcher "doesn't take the trouble" sich beliebt zu machen und fälschlich so manches für selbstverständlich hält. "Darcy's Diary" erweckt sowohl Gedanken an Austens Roman, als auch an Verfilmungen und wenn auch nicht herausragend in der Art und Weise wie Darcys Wandel stattfindet, so ist doch zu erkennen, schreibt er "My usual peace of mind has deserted me.", wie sich das anfängliche Suchen nach Ablenkung in Elizabeths Gesellschaft, allmählich zu größerem Interesse entwickelt. Und sei es nur wegen dem Auffrischen der Situationen, welche für Trubel sorgten, da sie in Adaptionen keine Beachtung fanden, oder von Austen nur aus weiblicher Sicht erlebt werden, ist es das Buch wert, gelesen zu werden. (von Mella 04/06)



zurück zur Übersicht




Index Update Biographie JAs Werk JAs England Links Sekundärliteratur
Filme Musik Fanfiction Suche Gästebuch Chat JAF-ML Board


Web-Katalog.net