von Phyllis Furley
Mellas Meinung | Beccis Meinung |
![]() erstmals erschienen: März 2004
Mellas Meinung Voller Vorfreude und Neugierde, welche ich noch immer bei so vielen schlechten Folgeromanen aufbringen kann, setzte ich mich sofort, nachdem ich das Buch erhalten hatte auf meine Couch und begann zu lesen. Doch schon auf der dritten Seite des ersten Kapitels gaben mir Bemerkungen allerdings Anlass, mich auf eine nicht sehr befriedigende Handlung und Darstellung der Personen, vorzubereiten. Im ersten von zwölf Kapiteln stehen alle Beteiligten kurz vor der Hochzeit und die Handlung wird mit einem Gespräch zwischen Mr und Mrs Bennet eröffnet. Rückblicke von Darcy auf die Vergangenheit folgen, bei denen schon merkwürdige Bemerkungen einfließen. So erinnert er sich an die Begegnung im Netherfield Park und bemerkt: "... such activities were unsuitable for his wife." Es folgen Einblicke in Elizabeth Vergangenheit und ich staunte von liebevollen Umarmungen und leidenschaftlichen Liebesküssen mit Wickham zu erfahren. Dem nicht genug, Darcys Verhalten vergleicht sie mit Wickham und sehnt sich nach mehr Zuneigung. Weiterhin wird knapp die gesamte Handlung der Vorkommnisse in Kent und bezüglich Wickham nacherzählt. Zum Ende des ersten Kapitels beschäftigt die Frage, wie Lizzy wohl Darcy nennen soll und zum Abschluss offenbart Darcy auf einen Spaziergang seine ereignisreiche und vor allem erfahrungsgewinnende Vergangenheit in Bezug auf die Frauenwelt in seiner Umgebung. Ist es das, was "Stolz und Vorurteil"-Begeisterte lesen wollen? Obwohl bereit für gewisse Zugeständnisse: Ich nicht. Nicht nur Lizzy's Unsicherheit, sondern besonders ihr Missfallen an Darcy's Reserviertheit (z.B. in der Gegenwart von Bediensteten) und ihr Gefühl, dass er zu altmodisch ist, passen nicht zu Elizabeth Bennet aus "Stolz und Vorurteil". Dazu kommt, dass sie teilweise sogar eingeschüchtert und naiv wirkt. Ebenfalls scheint ihre Heirat sie, im Verhältnis zu ihrer Familie, verändert zu haben - ihren Vater nicht ausgeschlossen. Auch die Darstellung von Darcy ist kaum besser. Neben altmodisch und konventionell, neigte ich dazu, sein Benehmen als überkorrekt und als gar nicht romantisch-verliebt zu sehen und, was viel wichtiger wäre, ich aber ebenso vergeblich suchte, waren Anzeichen von Weltoffenheit und Schlagfertigkeit. Und kommt es doch zur Zweisamkeit, sind diese Momente eher befremdlich und enttäuschend einfallslos. Scheinbar existiert eine ständige Unzufriedenheit des Einen mit dem Anderen. Über die Hälfte des Buches musste ich lesen, bis sich endlich eine einigermaßen getreue Unterhaltung zwischen dem Darcy-Ehepaar ergab, was beide ja eigentlich auszeichnet. Ein Besuch in London bringt Elizabeth dann unwissendlich in die Gesellschaft einer von Darcys Frauenbekanntschaften, mit der sie sich gern mehr anfreunden möchte - zum Leidwesen ihres Mannes. Ein Thema, was sich wie ein dicker roter Faden bis zur letzten Seite durchzieht. Schließlich offenbaren sich dann auch ihr irgendwann die Zusammenhänge. Nach einer Phase von Unwohlsein, Eifersucht und Zweifeln an sich selbst geht Lizzy plötzlich erstaunlich gelassen damit um. Hilfreich dabei: ihre Schwangerschaft. Phyllis Furley hat außerdem eine merkwürdige Art das Thema Nachwuchs zu behandeln. Selbst wenn man Elizabeth als modern und ihrer Zeit voraus ansieht, erscheint alles nicht zeitgemäß und merkwürdig. Auch wenn Jane Austen selbst nie Andeutungen dazu machte, ist es für mich irgendwie unwahrscheinlich, dass Darcy's Onkel (Oberst Fitzwilliams Vater), einen unausstehlichen Charakter hat und gravierende Einwände gegen die neue Mrs Darcy. Zudem, eine Mrs Bennet, welche Mr Darcy selbst nach der Hochzeit offenkundig nicht leiden kann? Oberst Fitzwilliam enttäuscht seine Familie mit der Wahl seiner Verlobten und alle zwei Kapitel erinnern erneut an die Unzulänglichkeit der Bennets. Weiterhin erwähnenswert, die Heirat Miss Bingleys, die sie sogar zur Mutter von Georgiana macht! Lady Catherines Besuch und ihr Zusammentreffen mit den Gardiners in London ist zudem unbedeutend und kaum erwähnenswert. Ein weiteres 'Highlight': Charles Bingley ist bereits Vater einer Tochter, welche zudem in der Zeit entstanden sein muss, als er schon in Jane Bennet verliebt war. Schnell wird auch hier eine interessante Lösung gefunden. - Die Ansichten der Darcys darüber waren für mich recht erstaunlich. In der Handlung an sich wird alles ziemlich schnell erzählt, mit diversen Unterhaltungen dazwischengeschaltet, welche immer sehr, sehr kurz gefasst sind. Die Folge: die Handlung erscheint oberflächlich und im Endeffekt langatmig und ermüdend zugleich, da, trotz ständiger Szenenwechsel, eigentlich nichts passiert. Natürlich gibt es schöne Ansätze, wie der Urlaub zu zweit zum Beispiel, doch kaum angesprochen, dann zu kurz oder gar uncharakteristisch abgehandelt. Die Persönlichkeiten, ob alt oder neu, sind einschichtig. Ebenso sind neugeknüpfte Verbindungen stets kurios. Ein Zugeständnis ist, dass zum Ende hin öfter bessere Szenen zu Tage treten, doch mit den Charakteren konnte ich mich bis zum Schluss nicht anfreunden. Ein Buch welches beim Lesen des öfteren ein Kopfschütteln bei mir hervorrief und beweist, dass die beste Möglichkeit von Elizabeth und Darcy zu lesen, "Stolz und Vorurteil" selbst ist und immer sein wird. (Mella, 05/04) |
Beccis Meinung Das Erste, was ich empfand, als ich dieses Buch in den Händen hielt, war
Freude, dass ich endlich eine Fortsetzung zu P&P gefunden hatte, und diese
Freude hielt sich bei mir während des ganzen Buches. Denn die Charaktere
waren unverändert:
Es stimmt insgesamt schon, dass Lizzie sich zu P&P verändert hat, aber diese Veränderung ist eine logische Weiterentwicklung ihres Charakters nach dem Geschehen in P&P: Sie sieht zum Beispiel ihren Vater nun weniger positiv (eine Veränderung, die schon in P&P als Folge der Affäre mit Lydia angedeutet wird) und lässt sich weniger von Vorurteilen leiten, eine Folge ihrer Fehleinschätzung von Darcy und Wickham in P&P. Diese Veränderungen machen Lizzie zu einer reiferen, aber auch langweiligeren Hauptfigur. Und dies ist meiner Meinung nach der einzige wirkliche Kritikpunkt an "The Darcys": Es ist nicht so spannend, nicht so lustig wie P&P. Trotz der vielen Handlungen und Geschehnisse in diesem Buch, kommt keine wirkliche Spannung auf. Die Probleme der Darcys werden zu schnell und zu einstimmig gelöst. Ich finde das nicht ungewöhnlich bei einem frischvermählten, sich liebenden Paar, aber es raubt dem Buch einiges an Spannung, dass es trotz Krisen und Schwierigkeiten keine wirklichen Kämpfe mehr auszufechten gibt. Auch etwas gestört hat mich zunächst, dass sowohl Darcy als auch Bingley früher Geliebte hatten. Obwohl das damals - so habe ich mir sagen lassen - Gang und Gebe war, kann ich mir doch schwer vorstellen, dass der superkorrekte Mr. Darcy eine Mätresse gehabt haben soll. Auf der anderen Seite fällt es mir aber auch schwer zu glauben, dass der 28-jährige Mr. Darcy vor Elisabeth Bennet keine Beziehung zu einer anderen Frau hatte. Deshalb muss ich sagen, dass ich die im Buch vorgebrachte Antwort auf diese Frage nach Darcys Vergangenheit verstehen und akzeptieren kann, auch wenn mir selbst in diesem Zusammenhang eine andere Variante lieber gewesen wäre Vom Stil her knüpft Phyllis Furley teilweise an P&P an. Es gibt einige (leider viel zu wenige) ironische Bemerkungen a la Jane Austen. Doch es bleibt dennoch zu bemerken, dass dieses Buch nicht von Jane Austen geschrieben wurde und man das auch deutlich merkt. Dem Kritikpunkt, dass der Roman über viele interessante Begebenheiten geradezu hinweggeht, muss ich Mella zustimmen. Es werden häufig Ereignisse nur angeschnitten, die sowohl sehr interessant und auch sehr witzig in einer genaueren Beschreibung geschildert werden könnten. Lizzies Einführung in die Londoner Gesellschaft wäre da zum Beispiel als Szene zu nennen, die durch meiner Meinung nach unangebrachte Kürze besticht. Insgesamt halte ich das Buch aber für unterhaltsam und wer nicht nach P&P-ähnlichen Spannungen und Streitigkeiten zwischen Lizzie und Darcy verlangt und nur wissen möchte, wie es mit Darcy und Lizzie weitergeht und wie sie sich durch ihre unterschiedlichen Meinungen gegenseitig beeinflussen und verändern, dem wird dieses Buch gefallen. Auch gibt es einige wirklich süße und romantische Szenen, die jedem, der Darcy und Lizzie in sein Herz geschlossen hat, sicher gefallen werden und dieses Buch lesenswert machen. (Becci, Gast) |
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