Sex and Sensibility

von Rosemarie Santini


Klappentext Mellas Meinung

The        Women of Pemberley - Buchcover

Zitat aus dem Klappentext:

A Jane Austen–obsessed heroine navigates life and love in Santini's sprightly third novel. Raised by a feminist mother who preached independence and a romantic father who called her Princess, Lizzie Parsons, as an adult, spends her days crunching out film reviews for a Manhattan newspaper and her nights worshipping Jane Austen with fellow "JANO" members who believe that recreating the decorum of Austen's novels is the only way to live. Lizzie also struggles between two alluring men—Gabriel, a fellow JANO (Jane-o-holics) member, and Harry, her should-be-off-limits boss who reminds her of Austen's Fitzwilliam Darcy. In the midst of her Pride & Prejudice meets Sex and the City world, Lizzie is also beholden to her own mantra, "Don't Be the Girl," which has to do with flouting society's expectations of women. What a lot of rules and regulations to live by! Will Lizzie figure out what—and who—she wants? Of course, but she'll have to learn that life is all about negotiation—between freedom and dependence, fantasy and reality.
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erstmals erschienen: September 2005
gebundene Ausgabe, Saint Books, ISBN: 0976411105


Mellas Meinung

Zugestanden, mein erster Blick auf dieses Buch wurde zunächst vom bezaubernden Cover gefangen genommen. Keine fünf Seiten später fragte ich mich, wie schändlich es wirklich ist, auf der Jagd nach hohen Verkaufszahlen Jane Austen zu missbrauchen. In der Mitte des Romans stellte ich verblüfft fest, wie schnell ich dahin gelangt bin und am Ende, suchte ich plötzlich vergeblich ein weiteres Kapitel dieses Romans, mit welchem ich mich so allmählich angefreundet hatte, wie Elizabeth (nicht Bennet) mit der Idee nicht ganz so unabhängig sein zu müssen.

Ja, Bezüge zu Austen sind meist auf sexueller Ebene. Liebe steht als kompliziertes Unterfangen im Vordergrund und Sex macht alles ohnehin verworrener. "Don't be the girl." Dies ist das Mantra Elizabeth Parsons und ihrer besten Freundin, welches gerade noch verteidigt, gleich danach über den Haufen geschmissen wird. Austens Wertmaßstäbe führen beständig in moralische Konflikte mit unserer Welt und den Männern auf ihr. Wer will schon als unverheiratete, doch durchaus aktive und selbstbestimmende Frau, an dem "Spinster table" einer Hochzeitsgesellschaft sitzen? Sind Konventionen heute so anders? Kann eine Jane Austen Besessene ihr Glück mit einem metrosexuellen Mann des heutigen Manhattans finden? Wie wendet man Janes Messlatte an, in einer Welt wo Skandale und Sex dominieren? "Jane Austen wants us to rise above difficulties and take life's negativities in our stride" wird notwendigerweise zu einem Zweitmantra.

Vordergründig wird "Emma" herangezogen. Einflussnahme und Hintergehen wird so passend wie möglich ausgelegt. Dies ist manchmal zum Kopfschütteln aber irgendwie auch bewundernswert. "Austen sensibilities" kommen durchaus zum Einsatz. Der zivilisierte Jane Austen Weg, Elizabeth macht daraus den "Emma-Fünf-Punkte-Plan", Feindseligkeiten auszuweichen wird unter anderen als Hilfestellung angeboten. Leute danach zu klassifizieren welchen Roman sie am meisten mögen, ist noch eine nachvollziehbare Idee, jene Werke als Aphrodisiakum anzusehen mag dann eher komisch klingen, doch nach Lizzy sogar ganz einleuchtend. Das Verlangen nach einen "moral guide" in einer Welt, wo mit "Sex and the City" und "Bridget Jones" lediglich die Abteilung Sex abdeckt wird, ist verständlich. Bietet sich Austen da nicht für die Sparte Anstand geradezu an? Aber Vorsicht! Bedenkenswert sind Alltagsphänomene, wie jenes, dass nicht jeder "Darcy" sich entschuldigt und für einen zweiten Antrag zurückkommt! "Guess we learn to substitude early." ist an jener Stelle zwar tatsächlich sexuell gemeint, trifft aber im Buch weitaus mehrdeutiger und öfter zu. Geniale Verbindungen zu mehr als zweihundert Jahre alten Romanen entstehen scheinbar spontan, manchmal wehmütig, oft humorvoll. Liebe ist kompliziert und Elizabeths Geschichte beweist dies in den unterschiedlichsten Facetten. Ob das Thematisieren von Singleleben, unehelichen Kindern, Emanzipation oder Wunsch nach ehelichen Glück, in unterschiedlichster Weise werden moderne Gedanken deutlich, welche doch oft im Kern überraschend altmodisch - "austenish" - sind.

Mit JANO erschuf Santini die wohl skurrilste Art, Jane Austen in unser Jahrtausend zu befördern. Offengestanden konnte ich mich bis zum Ende nicht mit dieser kuriosen Erscheinung anfreunden. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit Janes Zustimmung zu bekommen, wenn man Lesbierin werden will? JANO, die "Hilfsgruppe", diskutiert enthusiastisch darüber. Ich muss jedoch zugestehen, auch wenn jeder in JANO zusätzlich in eine andere Therapiegruppe geht und die Probleme von alkoholisch über sexuell bis psychisch reichen, schlagen sich hier Bezüge zu Jane bemerkenswert einfallsreich durch.

Natürlich behauptet sich zunächst der Gedanke "Sex sells". Doch allmählich wurde jener bei mir verdrängt von gekonnter Handlungsabfolge, bewegenden Szenen und von humorvollen, aufbrausenden bis gefühlvollen Geschehnissen. Eine Autorin, die zu überraschen versteht war hier am Werk. Die kurzen, in sich unterteilten Kapitel sind keineswegs eine Notfallbemerkung für Positives. Der Schreibstil Santinis ist keck, munter und realitätsnah. In lockeren Unterhaltungen schloss ich Elizabeth bald in mein Herz und mein Interesse an ihrem Wohlergehen wuchs. Witz beansprucht ganz natürlich seinen großen Platz neben Ironie und selbstkritischen Szenerien. Eine an Bridget Jones erinnernde Hetzjagd um einen sexy Auftritt für den Liebsten, mit optischen Einbußen, ist nur eines vieler Beispiele für Santinis herrlich peinlichen Momente zum Mitfühlen und Mitschmunzeln. Zudem mochte ich die Spuren aus Ally McBeal oder anderen Fernseh- beziehungsweise Filmquellen, welche immer passend daherkommen, wo Lizzy ohnehin in der Branche der Filmkritik Zuhause ist. Kleine Leckerlis zusätzlich.

"Sex and Sensibility" erzählt eine charmant turbulente Liebesgeschichte in einer Welt, wo scheinbar Anstand, Achtung und Ehrlichkeit keinen Platz haben. Elizabeth Parsons Versuch Jane Austens Ideale anzuwenden, welche auch im Neunzehntem Jahrhundert schwer durchzusetzen waren, betont die Verschlagenheiten und Raffinessen nicht nur moderner Liebesbeziehungen. Jener Wunsch nach scheinbar verstaubten Normen ist durchaus nachvollziehbar, wenn auch manchmal herrlich verzerrt, aber gerade dann, die schon innehaltende Austen-Ironie hervorbringend. Ebenso wird klar, wie zeitlos Jane Austen ist und eine Frau noch heute zu Recht nach bestimmten Werten verlangen darf oder gar sollte.

Dieses Buch hat etwas. Und auch wenn Elizabeths Identifikation vorrangig sexuell, zudem oft chaotisch ist, statt literarisch - ist doch mit Knightley zu schlafen ein vordergründiger imaginärer Vergleichspunkt in ihrem Liebesleben - ist es mehr als die gewagte Verbindung von Austen und Sex, was diesen Roman interessant macht! Wer auf der Suche nach einer Liebesgeschichte a là Anne Elliot und Wentworth ist, sollte hier keinen Versuch starten. Tritt man einen Schritt von der traditionellen Austen zurück und offenbart sich selbst einen weiteren Blickwinkel, ist es sicher, wie es für mich war, ein Lesevergnügen. (Mella, 12/05)



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